DISTANZMUSIK NACH KRIEG UND FRIEDEN

Ein Projekt von Anita Mishoukova/Jürgen Jürges
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Sehr geehrte Damen und Herren,

Hiermit möchten wir Ihnen ein sehr besonderes, künstlerisch und kulturell hochwertiges Projekt vorstellen, das Ihre Unterstützung erfordert. Zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau realisieren zwei Ausnahmekünsler ein gemeinsames audio-visuelles Projekt: die international renommierte Geigerin Anita Mishoukova und der legendäre Kameramann Jürgen Jürges («Angst essen Seele auf» und «Fontane Effie Briest» von R.W. Fassbinder, «Funny Games» von M. Haneke). Auf dem Gelände von dem heutigen Museum Auschwitz-Birkenau sollen vier Geigenstücke von den Komponisten aufgenommen und gefilmt werden, die entweder selbst Opfer der Nazi-Regime geworden sind oder ihre Familie in den KZs verloren haben. Das Ergebnis wird ein 30-minütiger Film sein, der die Erfahrung des ehemaligen Konzentrationslagers auf allen Sinnesebenen erlebbar macht: durch die Musik selbst, durch die Interpretation der Musiker, die sich direkt von dem Ort inspirieren lassen, sowie durch das professionale Auge eines weltbekannten Künstlers, 1940 geboren, der seine Vision ausserdem durch seine Erinnerungen an die Zeit und deren Konsequenzen ergänzen wird.

7750 47800

Gesamtkosten des Projektes: 47800 EUR.
Gesichert: 7750 EUR.
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Das Jahr 2020 markiert 75 Jahre seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und somit der Befreiung des größten Vernichtungslagers während der Zeit des Nationalsozialismus - Auschwitz-Birkenau. Für viele ist dieses Jahr auch durch den Anbruch einer präzedenzlosen Zeit gekennzeichnet, in welcher viele herkömmliche Formen der menschlichen Kommunikation hinterfragt werden und die physische Distanz eine neue Bedeutung gewinnt. Die Konzertmeisterin der Essener Philharmoniker Anita Mishoukova hat unerwartete Impulse in den heutigen Realien gefunden, um sich an das Thema Holocaust durch die Interpretation besonderer Musikstücke an jenem historischen Ort anzunähern: die menschliche Distanz und die erzwungene Trennung, aber auch die historische Distanz, die uns ermöglicht, die tragischen Geschehnisse vor 75 Jahren unter einem neuen Blickwinkel zu betrachten.

Das Projekt „Distanzmusik nach Krieg und Frieden“ wird an verschiedenen Orten des ehemaligen Lagerkomplexes Auschwitz-Birkenau realisiert: drei besondere, selten aufgenommene Musikstücke werden dort von Anita Mishoukova und ihrem Spielpartner Daniel Bell (1. Konzertmeister der Essener Philharmoniker) gespielt und gefilmt. Darunter die "Sequenza" von Simos Papanas (geb. 1979) - das zum ersten mal in der Musikgeschichte speziell für die Distanzdarbietung im April 2020 komponierte Stück, sowie "Duo Sonata" von Mieczyslaw Weinberg (1919-1996), dem im Polen geborenen jüdischen Komponisten, der seine Familie in einem deutschen Konzentrationslager verlor.

„Distanzmusik nach Krieg und Frieden“ ist als eine Zusammenarbeit mit dem legendären Kameramann Jürgen Jürges, Gewinner des Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung 2020, angelegt, der zu seiner Zeit mit R. W. Fassbinder und Wim Wenders gearbeitet hat und mehrfach mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde. Wie etwa im Filmdokument „Shoah“ (1985) von Claude Lanzmann, mal realistisch und poetisch, mal historisch-fiktiv angelegt, teilweise in brüchigen Einstellungen, entsteht ein audio-visuelles Werk zweier Künstler, von denen jeder sein ureigenes Empfinden der Geschichte, des Verbrechens gegen die Menschheit, der tragischen Schicksale der Opfer, aber auch der heutigen psychologisch herausfordernden Phänomene, wie menschliche Distanz und Isolation, durch sein jeweiliges Medium wiedergibt.

„Unser Ziel ist es durch die Musik, ganz ohne Worte, den psychologischen Zustand jener wiederzugeben, die sich im KZ aufhielten. Die Geige symbolisierte seit Generationen das Leiden jüdischen Volkes. Die Musik, die in einem Ort voller Horror und Tod gespielt wurde, hat eine andere Wirkung sowohl auf den Musiker, als auch auf die Zuhörer. Durch die Augen von Jürgen macht sich die Erfahrung aus jedem Ort auf dem Planeten auch visuell erlebbar,“ so Anita Mishoukova. Für sie spielt auch eine große Rolle, dass alle Teilnehmer des Projektes verschiedene Nationalitäten haben: „So haben wir die Möglichkeit das Erlebnis auch übernational zu ergreifen.“

„Für mich gilt dieses Projekt nicht nur als reines Andenken an die Opfer des Holocaust - es dient auch einer vielschichtigen philosophischen Reflexion: über die wechselseitige Geschichte dieses Ortes; über die ewige Spaltung zwischen Menschen und die heutzutage erforderliche Distanz; über den Horror der Massenpropaganda und der Tyrannei; darüber, dass Kultur uns an die Flüchtigkeit des Lebens erinnern soll, dass wir an unsere Geschichte denken sollen, an die Wichtigkeit der Güte, Liebe und Reinheit der Seele,“ ergänzt die Musikerin.

„Distanzmusik nach Krieg und Frieden“ ist ein Projekt der Online-Streaming-Plattform „Classic at Home“ und richtet sich vor allem an die Zuschauer dieser internationalen Plattform, aber ist auch an eine Kino- bzw. TV-Verwertung gedacht.

"Duo Sonata" von Mieczyslaw Weinberg (1919-1996), dem in Warschau geborenen sowjetischem Komponisten jüdischer Abstammung, der selbst Opfer der Stalin-Regime wurde und seine Mutter und Schwester im Konzentrationslager Trawniki verloren hat. Seine Oper „Die Passagierin“ wurde einer „Reise“ eines jüdischen Mädchens im KZ Auschwitz gewidmet.

„Solo Violin Sonata“ von Erwin Shulhoff (1894 – 1942), dem deutschböhmischen Komponisten jüdischer Herkunft, einem der interessantesten Vertreter der Neuen Musik, der 1942 im Konzentrationslager Wülzburg in Bayern starb.

„Distanzmusik“ von Simos Papanas (geb. 1979), dem griechischen Komponisten und dem Konzertmeister des Thessaloniki State Symphonic Orchestra. Das erste Musikstück in der Musikgeschichte, das speziell für die Distanzdarbietung komponiert wurde, schrieb Papanas während der Quarantäne im April 2020.

Titel für den Abspann: „Tango Auschwitz“, geschrieben von einem 12-jährigen Mädchen Irka Janowski im KZ Auschwitz, gelegt auf ein damals populäres Tangomotiv und gesungen von den Häftlingen als eine Art Aufmunterung. Hier umgearbeitet für zwei Geigen von Simos Papanos speziell für das Projekt „Distanzmusik nach Krieg und Frieden“.

Anita Mishoukova (geb. 1982) studierte in der Musikschule für Hochbegabte am Staatlichen Konservatorium in St. Petersburg, sowie am Curtis Institute of Music in Philadelphia (USA), am Royal College of Music in London und an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover. Zu ihren internationalen Auszeichnungen gehören der 4. Preis und der Tschaikowski-Preis beim Tschaikowski Jugendwettbewerb in Russland, der 1. Preis beim Kingsville Wettbewerb (USA), der Solti Award und Carnegie Preis in London und der Jürgen Sellheim Preis. Als international etablierte Künstlerin wirkte sie bei Festivals, wie Musicorda (USA), Lockenhaus (AT), Verbier (CH), Keshet Eilon (IL) und Holland Music Sessions (NL) mit. Als Konzertmeisterin konzertiert sie regelmäßig mit den Dortmunder Philharmonikern und der Nordwestdeutschen Philharmonie. Zur Zeit arbeitet sie als Konzertmeisterin Essener Philharmonie.

Daniel Bell (geb. 1976) wurde in Nottingham geboren und wuchs in Edinburgh auf. Er studierte an der Chetham's School of Music in Manchester, später in den USA bei Aaron Rosand an der Curtis Institute of Music in Philadelphia und bei Donald Weilerstein an der Cleveland Institute of Music. Zu seinen prägenden Erfahrungen gehört die langjährige Zusammenarbeit mit der Londoner Academy of St. Martin in the Fields und den Berliner Philharmonikern. Seit mehreren Jahren trägt er regelmäßig Verantwortung als Gast-Konzertmeister im BBC Philharmonic Orchestra. Auch andere führende Orchester in Deutschland und Großbritannien laden Daniel Bell immer wieder als Gast-Konzertmeister ein. Für seine Tätigkeit als Kammermusiker mit seinem Streichquartett wurde Daniel mit einem "ECHO" und dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Jürgen Jürges ist einer der bedeutendsten deutschen Kameramänner seiner Zeit. Seine Filmografie zählt Hunderte von Filmen und beinhaltet solche Meisterwerke wie „Angst frisst die Seele auf“ und „Effie Briest“ von Rainer Werner Fassbinder, „Funny Games“ von Michael Haneke und „In weiter Ferne, so nah!“ von Wim Wenders. Für seine distanzierte, semidokumentarische Darstellungstechnik wurde er im Laufe der Jahre mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Für seine Arbeit an dem mehrjährigen Projekt „DAU“ von Ilja Khrzhanovskij hat Jürgen 2020 den Silbernen Bären für die Herausragende Künstlerische Leistung bekommen.

Classic-at-Home ist eine rasant wachsende Plattform für das Streaming klassischer Musik höchster Qualität: sie ist bekannt für ihre Zusammenarbeit mit den besten Musikern ihrer Generation (Michael Barenboim, Arcadi Volodos, Lynn Harrell, Patricia Kopatchinskaja, Solisten der Berliner Philharmoniker) und starken Partnern wie die TV Sender WDR und ARTE (Deutschland), Mezzo TV (Frankreich), sowie mit unterschiedlichen internationalen Kulturstiftungen. Die Zahl der Plattformbesucher erreicht 100.000 monatlich und wächst weiter.